Gefangen auf hoher See

Eine Kurzgeschichte von Maya Kaburidis aus der 3D-Klasse (Gastbeitrag)

„Das traust du dich doch eh nicht“, spottete Rike. „Wer sagt das?“, schoss ich zurück. Das Wasser platschte, als ich hineinwatete. Wie kalt es war! Ich bekam eine Gänsehaut. „Schon kalte Füße?“, zog Rike mich auf. Meine beste Freundin stand am Ufer, das Meerwasser schwappte um ihre Füße. „Niemals!“, erwiderte ich und musste mich anstrengen, nicht vor Kälte zu stottern. Langsam, aber entschlossen ging ich immer weiter, bis der Meeresgrund unter meinen Füßen verschwand.

Ich schluckte eine Portion Meerwasser, bevor ich anfing zu schwimmen. Natürlich würde ich es bis zu der gelben Boje schaffen! Was dachte sich Rike eigentlich? Nur weil sie den Fahrtenschwimmer hatte und ich „nur“ den Freischwimmer, hieß das noch lange nicht, dass ich ein Waschlappen war und die Challenge nicht annehmen würde. Doch je weiter ich auf die See hinausschwamm, desto unbehaglicher wurde mir zumute. Ich sah immer weniger andere Schwimmer, und wenn, dann waren es Erwachsene. Ich war unschlüssig, ob ich nicht doch zurück zum Strand schwimmen sollte, doch dann malte ich mir aus, wie Rikes Gesicht aussehen würde, wenn ich es doch bis zur Boje schaffen würde. Entschlossen schwamm ich weiter, die Boje war schon zum Greifen nahe, als ich plötzlich einen Widerstand an meinem Fuß fühlte. Ich sah hinunter und erblickte eine Schlingpflanze, welche sich immer fester um meinen Fuß wickelte. Panisch tauchte ich unter und versuchte sie zu lösen, doch dadurch wurde mein Fuß von der Pflanze nur noch fester umschlungen, bis fast mein ganzes Bein in Grünzeug gewickelt war. Vor Schreck blieb mir die Luft weg. Ich wurde unter Wasser gezogen! Der Schock machte mich vollkommen bewegungslos, bis plötzlich Wasser in meinen Mund schwappte. Mein Puls begann zu rasen, als ich realisierte, dass das vielleicht mein letzter Urlaub am Meer gewesen sein könnte. Abermals lief es mir kalt über den Rücken und diesmal nicht vor Kälte. Ich war mittlerweile fast vollständig unter der Meeresoberfläche und musste mich anstrengen, oben zu bleiben. Nachdem ich ein paar Mal auf- und abgetaucht war, ließen meine Kräfte nach. Als ich einmal auftauchte, musste ich zu meinem Schrecken erkennen, dass keine Menschen in meiner Nähe waren, die mich retten hätten können. Eine weitere Schlingpflanze wickelte sich um mein anderes Bein. Nun verließ mich endgültig die Hoffnung. Ich war verloren. Da erblickte ich eine Gestalt, die unter Wasser auf mich zuschoss. War es ein Hai? Plötzlich erwachten Bärenkräfte in mir, ich schlug und trat um mich. Ich fühlte, wie etwas mein Bein berührte, das Blut gefror mir in den Adern und ich erstarrte. Da löste sich plötzlich eine Schlinge und mein rechtes Bein war frei. Das zweite folgte. Die Gestalt tauchte auf. Es war… Rike! Noch nie war ich so froh gewesen, meine beste Freundin zu sehen. „Komm, wir schwimmen zurück“, sagte sie und setzte sich in Bewegung. Meine Beine protestierten, nachdem sie so lange gefangen gewesen waren. Trotzdem war ich froh, sie wieder bewegen zu können, als ich hinter Rike herschwamm.

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